Zeitgeist

Dem Zeitgeist sollst du hörig sein,
willst du daran verdienen.
Bist du auch sicher nicht allein;
sind Scharen wie die Bienen.

Wenn du manch Elektronik nutzt,
wirst du sehr viel erreichen.
Doch Menschlichkeit dadurch gestutzt -
so gehst du über Leichen.

Ist Weltwirtschaft das neue Motto?
Ist dir nun klar, was da passiert?
Hier füllen Firmen sich ihr Konto
und machen arm, wer nicht pariert.

Der Zeitgeist ist auch Internet.
Doch Vorsicht sehr geboten ist.
Find’st du auch wirklich alles nett;
bekommst du wohl so manchen Mist.

Bei manchen Dingen ist’s ein G’frett.
Stellst du ins Netz privates Wissen,
gibt es da Mächte, gar nicht nett,
die alles wissen müssen.

Es ist doch wegen Terror,
hören wir sie sagen.
Selbst wenn sie diesen Horror
auch mit verschuldet haben.

Doch Zeitgeist ist auch Friedensmühen
von Menschen aller Welt.
Wenn sie dann durch die Straßen ziehen,
selbst Polizei sie überfällt.

Denn der Treiber eines Krieges
will seine Mächte erben.
In Hoffnung eines Sieges
lässt er die Menschen sterben.

Dort sterbet auch die Menschlichkeit
in eines Gottes Namen.
So war es schon in früh’rer Zeit,
als da die Christen kamen.

 

Neujahrsvorsätze

Ein weites Feld; das neue Jahr.
Ein unbeschrieb’nes Blatt
und so viel Zeit noch, ja fürwahr
man nun für neue Pläne hat.

Ja heuer wird es wohl gelingen;
Ideen, die man hat geprägt;
auch endlich einmal durchzubringen
was uns schon jahrelang bewegt.

Will nicht mehr Rauchen oder Trinken.
Könnt Sporteln und Gewicht verlieren.
Es sollten mehr Erfolge winken;
auch etwas Neues ausprobieren

Voll Energie man nun beginnt.
Voll Kraft und Eifer man besessen.
Bald man erkennt, die Zeit verrinnt.
Viel Hindernisse man vergessen.

Erfolgsberichte werden rar.
Ermüdung, Faulheit machet bang.
Genau so wie’s im Vorjahr war.
Man denkt : das Jahr ist ja noch lang
Ich kann es sicher schaffen.
Muss nicht sofort sein... etwas später.
So macht man sich zum Affen;
zum ewig „morgen“ Täter.

Morgen, morgen, nur nicht heute
Das ist ein alter Spruch gewesen
Er bezeichnet faule Leute
Davon bin ich nun genesen.

Geh langsam vor doch Tag für Tag.
Beständigkeit wird mir zur Pflicht.
Weil ich es schließlich schaffen mag.
Verlieren, nein, das will ich nicht!

Ein weites Feld; das neue Jahr.
Ein unbeschrieb’nes Blatt.
Ich lass es kommen; ja fürwahr.
Weil jeder Tag was Gutes hat.

Alte Zeiten

Die alten Zeiten - wunderbar,
viel mehr als heutzutage gar.
So denkt heut mancher - doch er irrt.
Vielleicht die Sorg den Sinn verwirrt
und solcherart vergessen lässt,
Wundbrand, Cholera und Pest.

In alten Zeiten gab’s viel Krieg,
Drangsal, Not, auch nach dem Sieg.
Ja, heut wie damals gab’s Verlierer,
von Herzog bis zum Abfallstierer.

Ob d’ Zeiten gut sind ist doch ständig
von deiner Situation abhängig.
Lass nicht zum Jammern dich verleiten
und Ungerechtigkeit verbreiten.

Für jeden Menschen ist es wichtig:
Das Hier und Jetzt und das ist richtig.
Das Schicksal hat dir Zeit gegeben,
dass du was machst aus deinem Leben.
Sieh vorwärts nur und nicht zurück,
dann hast du Chancen auf das Glück.

 

Neue Heimat

Ich bin ein Kind der Stadt.
Ich fürcht’ das Felsgebirg,
weil’s was Bestimmtes hat,
was ich im Herz verbirg.

Ne üble Angst nimmt überhand,
bin ich auf Höhen aus.
Ich mag das grüne Hügelland,
ganz ähnlich wie zuhaus.

Der Wienerwald war meine Lust.
Sieht aus wie meine neue Bleibe.
Gesucht - gefunden - und kein Frust.
Die tausend Hügel, nein beileibe.

Ich fühl mich wohl hier unumwunden
ganz wie zuhause in den Hügeln.
Bucklige Welt hab dich gefunden,
kann meine Freude kaum noch zügeln.

 

Frühjahrsmüdigkeit

Die Kälte stirbt im Sonnenschein.
Es summt und wurlt rings umher.
Die Vöglein zwitschern laut und fein;
nur meine Beine, die sind schwer.

Mit Blütenduft und Blütenpracht,
auch Gras und Knospen allen Landen,
hat nun der Frühling es geschafft.
Nur mir kam alle Kraft abhanden.

Schlepp mich nur mühsam durch die Gegend,
hab mich nun trotzig aufgerafft.
Es ist ja auch nicht Weltbewegend.
Es war noch jedes Jahr geschafft.

Inmitten des Erwachens, Blühen,
durch Vitamine jede Menge;
spür ich den Willen in mir glühen -
und langsam komm ich in die Gänge.

Fass endlich Nutz aus diesem Sprießen:
Hoch ober mir der Adler schwebt.
Kann endlich Frühlingluft genießen -
und diese Schwäche überlebt.

 

Die schwere Entscheidung

„Ich kann mich nicht entscheiden", maulte er.
„Wir sind jetzt in einer entscheidenden Phase; du musst dich entscheiden", drängte sie.
Er: „Und wenn es dann ein Fehler ist?"
Sie: „Es ist doch bis jetzt gut gelaufen!"
„Wer sagt mir, dass es weiter so gut geht?", brummte er kopfschüttelnd.
„Wer sagt denn, dass es nicht so gut weitergeht!?", meinte sie mit flehendem Blick.
Er: „Aber es ist doch ein Risiko – oder nicht?"
Sie: „Bitte riskier es doch; es ist die Sache wert!"
„Aber ich weiß nicht, wie es ausgeht!" - er vergrub den Kopf in seine Hände.
Sie war dem Weinen nahe. „Aber wir sollten doch beenden, was wir begonnen haben!"
„Jetzt liegt alles wieder an mir!"
„Ja, aber ohne dich läuft es nicht!" Ein tiefer Seufzer entrang sich ihrer Brust.
„Komm, gib dir einen Ruck – mach mich glücklich!" sie stieß ihn an.
„Ich würde dich gerne glücklich machen; aber bin ich es dann auch?", zweifelte er.
„Warum lässt du es nicht darauf ankommen? Den nächsten Schritt mache ich!"
Er:„Das ist doch genau, was ich fürchte! Du könntest mich überfordern!"
Sie: „Nimm es doch spielerisch. Du musst nicht alles so ernst nehmen."
„Das sagst du so leicht, weil ich die Entscheidung treffen muss!", brach es aus ihm heraus.
„Dafür treffe ich die nächste Entscheidung, ganz schnell!" versprach sie.
„Das sieht dir wieder ähnlich. Du handelst unbedacht und bringst mich in Schwierigkeiten! Ich habe dann wieder die Probleme."
„Ein Vorschlag: Losen wir es aus: Stein Schere Papier!"
„Na gut, um des lieben Friedens willen."
„Ha – Du hast verloren – Du bist am Zug." jubilierte sie.
„Das war ich vorher auch schon", brummte er, „na gut, dann Schach dem König!" Er zog den Bauern nach vorne.

März 2014

 

Die Puppe

Ich mag sie nicht – nein! – sie ist mir geradezu unheimlich – wie sie so provozierend da sitzt – und diese Augen – Glubschaugen – und dieser Mund – viel zu dicke Lippen – wie angeschwollen – grellrot – schaut furchtbar aus – Gesicht wie ein Clown angemalt – nur – – Clowns sind freundlich – sie lächelt zwar aber es ist mehr eine Grimasse – hässliche Grimasse – ich ignoriere sie einfach – ja ich ignoriere sie – ich setz mich auf die andere Seite der Bank und tue so als wäre sie nicht da – – – starrt sie mich immer noch an? Ob ich wohl hinsehen sollte? – Nein – ich bleibe standhaft und tue so als wäre sie nicht da – soll sie mich doch anstarren – angrinsen – sie starrt mich sicher noch an – ich riskiere einen Seitenblick – na klar – sie starrt mich nach wie vor höhnisch grinsend an – was will sie nur? – Ich spreche sie einfach an – he du – was starrst du mich so an – aha – jetzt versuchst du mich zu ignorieren – die Idee hatte ich schon vor dir – du bist so hässlich weißt du das? – Gut; da kannst du vermutlich nichts dafür – aber besser schminken hättest du dich schon können – jetzt sag doch mal was – na gut. Zuerst hab ich dich ignoriert, jetzt ignorierst du mich – das verstehe ich ja – übrigens ich heiße Heinz – – – sie sitzt da und starrt mich an mit einer lächelnden Fratze, die zum Fürchten ist – aber egal – ich fürchte mich nicht – im Gegenteil – ich rücke jetzt näher - will doch sehen was du dann machst – können wir uns nicht unterhalten? – Es ist doch außer uns niemand hier – wäre doch blöd dazu sitzen und nicht miteinander zu reden – sie reagiert nicht – grinst nur seltsam – möglicherweise habe ich dich beleidigt; aber das wollte ich nicht – ich fühle mich nur so unwohl – so beobachtet – eigentlich hast du ja schöne Augen – große Augen – sehr große Augen – und auch über den zu großen Mund könnte man hinwegsehen – es ist ja nicht so dass ich hier große Auswahl hätte – ich bin so allein – kannst du das verstehen – kannst du mir verzeihen? – Egal ich nehme sie jetzt und drückte sie an mich – – – „Wird ja auch Zeit, dass du endlich merkst, was los ist" – – – „Na also, du sprichst ja doch mit mir" – – – „Warum sollte ich nicht mit dir sprechen; es ist ja sonst niemand hier" – – – „Genau das habe ich mir auch gesagt" – – – „Und was machen wir jetzt?" – – – „Ja, was hast du denn bisher gemacht? – – – „O, ich habe Leute unterhalten!" – – – „Wirklich? Leute unterhalten? Wie hast du das gemacht?" – – – „Ich habe ihnen von meinem Freund erzählt" – – – „Du hast einen Freund?" – – – „Jetzt nicht mehr – jetzt bist du mein Freund!" – – – „Ich bin dein Freund?" – – – „Mein bester Freund!" – – – „Das macht mich glücklich – ich hatte noch nie einen Freund!"

Vor dem verspiegelten Fenster stehen drei weiß gekleidete Herren und beglückwünschen einander: „Das war die beste Idee. Herr Professor, ich glaube, so können wir es schaffen." „Ja, er hat die Bauchrednerpuppe angenommen, jetzt kann er seine Schizophrenie ausleben."

Nachsatz:
Heinz und seine Puppe wurden ein berühmtes Gespann. Sie waren auf allen Varieteebühnen der Welt unterwegs. Niemand wusste von ihrem kleinen Geheimnis.

 

Portrait Otto Pikal ...