Eine ganz andere Weihnachtsgeschichte

Wie es zur Felsenmalerei der "Geburt Christi" in der Felsenkirche kam
Dies ist eine fiktive Geschichte.

 

Als der Markgraf Gottfried von Wels-Lambach nach seinem Sieg über die Magyaren im Jahre 1042 die Burg und das Gebiet um Pitten von König Heinrich III geschenkt bekam, begann er, die bestehende Holzburg auszubauen, und in halber Höhe des Burgberges eine Eigenkirche zu errichten. Die Apsis und das Presbyterium - Altarraum – wurden in die Felsenhöhle verlegt. Der Eingang der Höhle war mit einem Holzverschlag für die Messbesucher und einem hölzernen Turm als Wohnung und Schlafstätte für den Priester angebaut. Der Turm hatte unter seinem Dach eine kleine Glocke hängen, die der Priester vor einem Gottesdienst zu läuten pflegte.
Aus seinem Kloster in Formbach, Bayern, brachte er auch einen Mönch/Priester mit und gab ihm den Auftrag, in seiner Grafschaft und im Ort "Budinia", Pitten, das Christentum unter der Bevölkerung zu verkünden. Die Aufgabe war nicht leicht, da zu dieser Zeit, im südöstlichen Teil der karolingischen Herrschaft das Christentum noch nicht richtig angekommen war. Die Einwohner der hügeligen Waldgegend waren, da die wenigsten lesen und schreiben konnten, noch dem alten, keltisch-römischen Götterglauben verbunden. Zahlreiche Wegzeichen, Amulette und kultische Weiheplätze dienten ihnen zur Anrufung und Verehrung ihrer heidnischen Götterwelt.
Als nun der Mönchpfarrer - nennen wir ihn Arnulf - an einen schönen sonnigen Herbsttag vor seiner Höhlenkirche saß und seinen Blick über das Tal schweifen ließ, trat aus dem Unterholz des Bergrückens, dem schmalen Pfad vom Talboden zum Burgberg aufwärts, ein fremder Wanderer heraus. Als er den sitzenden Mönch mit seiner braun-schwarzen Kutte sah, blieb er stehen, hob die rechte Hand zum Gruß, "salutare dominum" klang es aus seinem Mund. "salutare hospitem" antwortete ihm der Mönch. Da beide sich in ihrer eigenen Sprache nicht verständigen konnten verwendeten sie die, unter geistlichen Herren übliche lateinische Sprache. "Setz dich zu mir" deutete der Mönch mit seiner Handbewegung. Langsam und sichtlich nervös kam der Fremde näher. Der Mönch war jetzt aufgestanden. Er war groß und von muskulöser Gestalt, anders als der Fremde, der eher klein und gedrungen aussah und unter dem breitkrempigen Filzhut ängstlich hervorlugte. Als er den Hut abnahm, quoll dichtes, schulterlanges schwarzes Haar hervor, das einen Teil seiner Gesichtshälfte völlig bedeckte. Der Mönch streckte ihm aber seine Hand entgegen und sagte lachend zu ihm: "acceptabilis" - "angenehm, mein Name ist Arnulf und ich bin der Priester hier, um Gottes Glauben zu verbreiten". "Angelus" - antwortete nun der Fremde, "der Engel sozusagen und ich komme aus dem Süden, besser gesagt aus der Stadt Venecia." Der Mönch nahm den Fremden freundlich auf, bot ihm Brot und Wasser an und ein Lager für die Nacht in seinem Turm. Arnulf freute sich, endlich jemanden zu haben, mit dem er über die heilige Schrift reden konnte, der sie auch verstand und sie zu deuten wusste. Er war auch bei Mönchen aufgezogen worden, die ihn die lateinische Sprache, das Lesen und Schreiben gelehrt hatten und noch dazu die bildliche Darstellung der biblischen Schriften. "Das trifft sich gut" sagte Arnulf, nachdem Angelus schon ein paar Tage bei ihm zugebracht hatte, "du bleibst eine Zeit bei mir und gestaltest meinen Kirchenraum, die Berghöhle, mit Malereien aus. Dafür kannst du bei mir wohnen und essen." Wenn der Altarraum mit bunten Bildern aus der Heilsgeschichte, mit den Aposteln, der Mutter Maria und dem Heiland selbst bemalt ist, würden die Leute vielleicht lieber zu ihm auf den Burgberg kommen und das Wort Gottes besser begreifen können, dachte er so bei sich.
Um ehrlich zu sein, der Besuch der Messe ließ zu wünschen übrig, ja selbst die Knechte und Bediensteten der Burg kamen nur unregelmäßig zum Gottesdienst. Nach ein paar Tagen bei dem Mönch machte Angelo sich ans Werk. "Was soll ich als erstes malen?" fragte er Arnulf. "Nun" antwortete ihm der Mönch "da der Winter naht und das Weihnachtsfest - die Geburt unseres Heilands - nicht mehr fern ist, wäre eine Krippendarstellung mit der Hl. Familie im Stall zu Bethlehem das beste Bild". Angelo überlegt eine Weile, wiegte seinen Kopf hin und her, als ob er seine Gedanken sammeln müsste, ging in der Höhle umher, betrachtete die Steinwände und deutete dann auf eine Stelle oberhalb eines, aus dem Stein geschlagenen Gesimses, auf den gerade die untergehende Abendsonne durch eine Dachluke schien. "Das ist der beste Platz dafür - und ich habe auch schon eine Idee, wie ich es ausführen will." Er machte sich unverzüglich an die Arbeit. Er glättete den Stein der Höhlenwand, trug einen Putz auf um die kleinen Unebenheiten im Fels auszugleichen, zeichnete die Umrisse des Bildes und der Personen mit einem angebrannten, verkohlten Holzspitz auf den Untergrund und füllte die Konturen mit Erdfarbe aus.
Als die Zeit der Wintersonnewende nahte, die in der hügeligen Landschaft noch immer nach altem Brauch mit dem Abbrennen eines Holzstosses gefeiert wurde, war Angelo auch schon mit seiner Wandmalerei fertig.
10 Tage nach der Wintersonnenwende rief der Pfarrmönch alle Leute zusammen, um mit ihnen das Weihnachtsfest zu feiern. Er sagte, dass etwas neues, ein noch nie gesehenes Bildnis der Geburt Jesu in der Höhlenapsis wäre, sodass sich ein Besuch der Weihnachtsmesse schon alleine wegen der Wandmalerei lohnen würde.
Und wirklich, die Neugierde auf das Neue ließ viele Gläubige kommen, sodass der Vorraum und der halbe Höhlenraum voll von Leuten war. Als die letzen Strahlen der Abendsonne den Höhlenraum erleuchteten, erhellten sie das Bild der Geburt Jesu in einem ganz besonderen Licht. Die Darstellung der Geburt Christi war im byzantinischen Stil nach dem Matthäusevangelium gezeichnet, anhand derer der Priester den Gläubigen die Weihnachtsgeschichte vorlas und erklärte.
Da Jesus in einer Höhle geboren war, hat auch der vorgelesene Text im Einklang mit der Zeichnung einen direkten Bezug zur Geburt Christi hergestellt.
Wir Menschen der Neuzeit betrachten die Geburtendarstellung aus einem anderen Blickwinkel, zumal die Krippendarstellung im Laufe der Jahrhunderte stark von der jeweiligen Gegend und dem Land beeinflusst wurde.


Weihnacht
Nach dem pseudo-Matthäus Evangelium                   Perikopen 13.2-13.5

13. 1. Es geschah aber nach einiger Zeit,
daß eine Anmeldung erfolgen mußte aufgrund eines Erlasses des Kaisers Augustus,
daß jeder sich in seiner Heimat melden mußte.
Diese Anmeldung wurde durchgeführt unter Quirinius, dem Statthalter Syriens.
Als sich Josef und Maria auf dem Weg befanden, der nach Betlehem führt, sagte Maria zu Josef:
"Zwei Völker sehe ich vor mir, ein weinendes und eins, das sich freut."
Josef antwortete ihr: "Bleib sitzen, halt dich an deinem Lasttier fest und rede keine überflüssigen Worte!"
Da erschien ein wunderschönes Kind vor ihnen, bekleidet mit einem glänzenden Gewand, und sprach zu Josef: "Warum hast du gesagt, die Worte, die Maria über die beiden Völker gesprochen hat, seien überflüssig?
Sie hat nämlich das Volk der Juden weinen sehen, weil es sich von seinem Gott zurückgezogen hat, und das Volk der Heiden voll Freude, weil es herangetreten ist und dem Herrn nahegekommen ist, entsprechend dem was unseren Vätern Abraham, Isaak und Jakob versprochen worden ist.
Es kommt nämlich die Zeit, da im Samen Abrahams allen Völkern der Segen zuteil wird."

2. Und als er das gesagt hatte, befahl er dem Lasttier anzuhalten, denn die Zeit für die Geburt war genaht; und er gebot Maria, vom Tier abzusteigen und eine unterirdische Höhle zu betreten, in die noch niemals ein Lichtstrahl gedrungen war, die vielmehr immer im Dunkeln lag, weil sie nie Tageslicht hatte.
Beim Eintritt Marias aber begann die ganze Höhle zu leuchten, und sie zeigte überall einen solchen Lichtglanz, als scheine die Sonne.
Und als sei Mittag, so erhellte das göttliche Licht die Höhle.
Tag und Nacht ließ das göttliche Licht nicht nach, solange Maria dort weilte.
Und dort gebar sie einen Knaben, den Engel während seiner Geburt umstanden
und dem sie nach der Geburt Ehre bezeugten mit dem Spruch:
"Ehre sei Gott in der Höhe, und auf Erden Friede den Menschen guten Willens!"

3. Schon längst hatte Josef sich aufgemacht, um Hebammen zu suchen.
Als er zu der Höhle zurückkam, hatte Maria schon das Kind geboren.
Josef sagte zu Maria: "Ich habe dir die Hebammen Zelomi und Salome gebracht.
Sie stehen draußen vor der Höhle und wagen wegen des starken Glanzes nicht, hier einzutreten."
Als Maria das hörte, lächelte sie.
Doch Josef sprach zu ihr: "Lächle nicht, sondern gib acht, daß du keine Arznei benötigst!"
Da ließ sie eine von den beiden zu sich hereinkommen. Als Zelomi eingetreten war, sprach sie zu Maria: "Laß mich dich anfassen!" Als Maria erlaubt hatte, sie zu berühren, schrie die Hebamme laut auf und sagte:
"Herr, großer Herr, erbarme dich! Niemals hat man gehört, ja nicht einmal geahnt, daß die Brüste voller Milch sein können und doch der neugeborene Knabe seine Mutter als Jungfrau erweist. Keine Verunreinigung mit Blut erfolgte bei dem Kind, keinen Schmerz bei der Gebärenden. Als Jungfrau hat sie empfangen, als Jungfrau geboren, Jungfrau ist sie geblieben."
Als die andere Hebamme namens Salome diesen Ausruf vernahm, sprach sie:
"Was ich höre, glaube ich nicht, ehe ich es selber nachgeprüft habe." Und Salome ging zu Maria und sprach:
"Erlaube, daß ich dich berühre und nachprüfe, ob Zelomi die Wahrheit sagte!" Da Maria die Berührung erlaubte, führte Salome mit ihrer Hand die Prüfung durch. Und wie sie Maria prüfend berührte, verdorrte sogleich ihre Hand.
Vor Schmerz begann sie, heftig zu weinen, sich zu ängstigen und zu rufen:
"Herr, du weißt, daß ich dich immer gefürchtet habe und alle Armen ohne Annahme von Lohn heilte, von Witwen und Waisen nichts annahm und Mittellose niemals mit leeren Händen entließ. Siehe, ich bin erbärmlich geworden wegen meines Unglaubens, weil ich es wagte, deine Jungfrau auf die Probe zu stellen."
Als sie dies sagte, erschien neben ihr ein außergewöhnlich glänzender Jüngling und sprach zu ihr: "Tritt an das Kind heran und bete es an, berühre es mit deiner Hand; es wird dich heilen, denn es ist der Heiland der Welt und all derer, die auf ihn ihre Hoffnung setzen!"
Sie trat sofort an das Kind heran, und während sie es anbetete, berührte sie den Saum der Windeln, in die das Kind gewickelt war. Und sogleich war die Hand geheilt. Im Hinausgehen begann sie, zu rufen und die großen Wunder aufzuzählen, die sie gesehen hatte und die an ihr geschehen waren, und wie sie geheilt worden war, so daß auf ihre Verkündigung hin viele zum Glauben kamen.

 

Portrait Erich Göschl ...